Mercedes GLB EQ (2026): Die Ergebnisse der ersten Tests
Das neue Elektro-SUV punktet bei Reichweite und Fahrwerk. Bei Platzangebot und Materialien gehen die Meinungen auseinander.
Der Mercedes GLB EQ ist seit Dezember 2025 bestellbar. Nun gibt es die ersten Tests zu lesen. Wir haben uns die Tests von Matt Saunders in Autocar, von Jochen Wieler (ADAC) und von Flavio Atzori (Motor1 Italien) angesehen und referieren, was dabei herauskam.
Der 4,73 Meter lange Mercedes GLB EQ hat zehn Zentimeter mehr Radstand als der CLA EQ, mit dem er sich die Mercedes Modular Platform (MMA) teilt. Hier die Maße inklusive der offiziellen GLB-EQ-Kofferraumvolumina von Mercedes.
| Länge | Breite | Höhe | Radstand | Kofferraum | |
| Mercedes EQB | 4,68 m | 1,83 m | 1,70 m | 2,83 m | 500–1.680 Liter kein Frunk |
| Mercedes GLB EQ 5-Sitzer |
4,73 m | 1,90 m | 1,69 m | 2,89 m | 540–1.715 Liter plus 127 Liter Frunk |
| Mercedes GLB EQ 7-Sitzer |
4,73 m | 1,90 m | 1,69 m | 2,89 m | 480–1.605 Liter plus 127 Liter Frunk |
| Mercedes CLA EQ Shooting Brake | 4,72 m | 1,89 m | 1,47 m | 2,79 m | 405–1.290 Liter plus 101 Liter Frunk |
Das Sitzsystem bietet serienmäßig fünf Plätze. Optional gibt es entweder eine längs um 14 Zentimeter verschiebbare Rückbank (ohne Aufpreis, aber nur in Kombination mit dem "Premium-Paket mit Digitalen Extras" für 4.326 Euro) oder eine dritte Sitzreihe für 1.309 Euro, mit welcher der Wagen zum Siebensitzer wird. Beides lässt sich laut Konfigurator nicht miteinander kombinieren.
Der Wagen ist etwa fünf Zentimeter länger als der Vorgänger EQB, und anders als dort ist die dritte Reihe auch für mittelgroße Erwachsene nutzbar, schreibt Matt. Drei Erwachsene könnten bequem hintereinander sitzen, auch wenn der Platz ganz hinten dann etwas beschränkt wäre. Wenn alle Sitze belegt sind, bleibe nur noch wenig Kofferraum, doch hier helfe der fast rechteckige Frunk, der 127 Liter fasst und damit für zwei Reisetaschen ausreiche.
Im Cockpit bietet der große Superscreen Unterhaltung; die Sitze wirkten komfortabel, so der Tester. Matt bemängelt jedoch die plastikartigen Oberflächen und die glänzenden Details an Türen und Mittelkonsole, die von den Materialien her enttäuschten. Der Hersteller lege den Fokus zu stark auf die Displays.
Der Superscreen mit drei Teildisplays kostet keinen Aufpreis, setzt aber das Premium-Paket mit Digitalen Extras für 4.326 Euro voraus.
Derzeit sind drei Motorisierungen für den Mercedes GLB EQ konfigurierbar: der GLB 200 mit 165 kW und 58 kWh großer LFP-Batterie für rund 430 km Normreichweite, der GLB 250+ mit 200 kW und 85-kWh-Akku für etwa 630 km Reichweite sowie der allradgetriebene GLB 350 4Matic mit 260 kW und etwas weniger Aktionsradius. Getestet wurden die beiden Versionen mit großer Batterie. Der GLB 250+ sei mehr als ausreichend schnell, der Allradler biete allerdings noch mehr Power, so Autocar. Da die Vorderachse nur bei Bedarf zugeschaltet wird, sei die Reichweite hier fast genauso hoch: Der 250+ ist mit 631 km angegeben, der 350er mit 616 km.
Matt lobt auch die gut einstellbare Rekuperation. Serienmäßig wird dafür der Getriebewähler vor- oder zurückbewegt, während die AMG-Line-Modelle dafür Lenkradwippen besitzen. Am Antrieb gebe es wenig zu mäkeln. Dank 800-Volt-System lädt der GLB EQ mit bis zu 320 kW. Matt kritisiert aber, dass das Laden an 400-Volt-Säulen (wie den Superchargern von Tesla) nur möglich ist, wenn man den DC-Konverter für 655 Euro dazubestellt. Anmerkung am Rande: Auch dann kann man nur mit 100 kW laden.
Das Fahrwerk des 2,2-Tonners wirke auf kurvigen Bergstraßen erstaunlich souverän und agil. Bei Unebenheiten bleibe er komfortabel. Das bezieht sich auf die Version mit verstellbaren Dämpfern. Der GLB ist das einzige MMA-Fahrzeug, für das diese Stoßdämpfer erhältlich sind – sie kosten 737 Euro Aufpreis.
Der Tester lobt den günstigen Preis, welcher nicht viel höher als bei reinen Fünfsitzern sei. In Deutschland kostet der GLB 250+ etwas mehr als 56.000 Euro. Der Peugeot E-5008 Long Range bietet etwas mehr Reichweite (bis zu 662 km) für einen ähnlichen Preis (55.250 Euro). Matt vermutet allerdings, dass der Peugeot auf der Autobahn weniger weit kommt als der GLB EQ. In der Tat gibt Mercedes im Konfigurator einen deutlich niedrigeren Autobahnverbrauch an als Peugeot. Auch der kombinierte WLTP-Verbrauch ist geringer:
| WLTP-Verbrauch kombiniert | Verbrauch Autobahn lt. Hersteller |
Akku netto | WLTP-Reichweite | |
| Mercedes GLB 250+ | 15,8 kWh/100 km | 20,4 kWh/100 km | 85 kWh | 632 km |
| Peugeot E-5008 Long Range | 18,3 kWh/100 km | 23,8 kWh/100 km | 97 kWh | 662 km |
Matt vergleicht den GLB EQ auch mit dem Tesla Model Y. Die Version "Maximale Reichweite Hinterradantrieb" mit 609 km Reichweite gibt es in Deutschland ab knapp 50.000 Euro. Als Siebensitzer gibt es allerdings nur die Allradvariante für knapp 53.000 Euro; für die dritte Sitzreihe zahlt man nochmal 2.500 Euro mehr.
Dank der optional verfügbaren sieben Sitze und den guten Fahreigenschaften dürfte sich der GLB EQ gut verkaufen, glaubt Matt. Bislang hatten große Familien nur die Wahl zwischen teuren, großen Siebensitzer-SUVs (Volvo EX90, Kia EV9 oder Hyundai Ioniq 9) und kastenförmigen Vans (Opel Vivaro, VW ID. Buzz). Der GLB EQ schließe diese Lücke.
Bildergalerie: Mercedes GLB EQ (2026)
Jochen Wieler vom ADAC schreibt in seinem Test, der GLB EQ sei weniger kastenartig als der Vorgänger, was bei der Kundschaft wohl gut ankommen würde. Anders als Matt beurteilt er den Platz in der dritten Reihe kritisch: Schon mit 1,70 Metern Körpergröße stoße man am Dach an und auch die Beinfreiheit sei gering. Die Bedienung und die Monitorlandschaft gefallen Jochen jedoch. Er kritisiert nur, dass die Person am Steuer abgelenkt wird, weil Videos auf dem Beifahrermonitor aus dem Augenwinkel heraus wahrgenommen werden. Ebenfalls moniert wird, dass fast alles, was den GLB EQ zu einem Premiumauto macht, Aufpreis koste.
Wer die dritte Reihe nicht unbedingt brauche, solle den Fünfsitzer wählen. Dann habe man einen richtig großen Kofferraum, der auch für die Familie ausreiche. Hervorgehoben wird die hohe Anhängelast des Allradlers, der bis zu zwei Tonnen ziehen darf. Beim Testfahrzeug mit 20-Zöllern und adaptiven Dämpfern spüre man zudem nicht jede Unebenheit. Auch auf kurvigen Strecken fühle sich das Auto wohl, allerdings wünscht sich Jochen dafür ein etwas kleineres Lenkrad.
Flavio Atzori von Motor1 Italien lobt den Akustikkomfort und die komfortablen Sitze, findet den Platz hinten aber verbesserungswürdig. An den Materialien findet er (anders als Autocar) nichts auszusetzen. Er kritisiert aber den fehlenden Einlegeboden für den Kofferraum bei der Elektroversion.
Auf kurvigen Teststrecken wirke der Wagen mit adaptiven Stoßdämpfern überraschend agil. Das Einlenkverhalten sei präzise, die Seitenneigung gering. Das Auto vermittle ein Gefühl großer Fahrstabilität. Auch die leichtgängige, direkte und sehr präzise Lenkung sowie das Ansprechverhalten von Gas und Bremse gefallen. Der Testverbrauch auf Stadt- und Bergstrecken mit dem 250+ betrug 16,5 kWh/100 km, also nur wenig mehr als nach Norm. Insgesamt empfand Flavio den GLB EQ als modernen und angenehmen Allrounder.
Unter dem Strich
Der Mercedes GLB EQ wird von den drei Testern generell positiv beurteilt – der Hersteller scheint nichts völlig falsch gemacht zu haben. Größtenteils gelobt werden Antrieb und Fahrwerk sowie die Reichweite und das schnelle Laden. Auf Kritik stößt die nur optionale 400-Volt-Lademöglichkeit. Der Platz in der dritten Reihe, der laut Mercedes für Personen bis 1,70 Meter ausreichen soll, wird unterschiedlich beurteilt. Das gleiche gilt für die Materialqualität im Interieur.
Quelle: Autocar, ADAC, Motor1 Italien
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