Sogar das geliftete Tesla Model S wird geschlagen

Bis der Mercedes EQS in zwei Wochen vorgestellt wird, ist noch so mancher Teaser zu erwarten. Dabei schafft es Mercedes immer wieder, eine kleine bis mittlere Sensation in seiner Pressemitteilung zu verstecken. Und zwar so, dass das Suchen dem Redakteur noch Spaß macht wie bei den Ostereiern im Gras.

Inmitten von eher wenig interessanten Mitteilungen zu der Sinnlichkeit des Interieurs teilt der Stuttgarter Hersteller nun mit, dass der Wagen einen cW-Wert von nur 0,20 hat – laut Mercedes neuer Weltrekord: 

"Weltrekord: Erstes Serienautomobil der Welt mit einem cw-Wert ab 0,20" 

Tesla gibt auf seiner Website für das jüngst geliftete Model S Plaid den Wert von 0,208 an, und schreibt daneben: "Lowest-drag car on Earth". Diesen Claim muss Elon Musk wohl demnächst streichen, denn Mercedes schlägt die Amerikaner nun.

Dabei sind beide Werte hervorragend, wie andere Vergleiche zeigen: Das Model 3 liegt bei 0,23, der Xpeng P7 (eine 4,90-Meter-Limousine, also genau die Kragenweite von Model S und EQS) liegt bei 0,236. Ein wenig besser ist Porsche mit dem Taycan Turbo (0,22). Den Vogel aber schießt der VW XL1 ab, denn für ihn wird ein Wert von 0,19 genannt. Aber der war ja auch kein Serienauto, oder zumindest kein Großserienauto.

Die neue Elektro-Limousine aus Stuttgart hat also einen extrem niedrigen Luftwiderstands-Beiwert. Diesen langen Ausdruck haben wir wegen des Wörtchens "Beiwert" ausgeschrieben. Denn das sagt aus, dass der cW-Wert nicht allein für den Luftwiderstand entscheidend ist. Daneben kommt es auf die Stirnfläche an, also die Fläche, die ein Auto in den Wind hält – man könnte wohl auch sagen: die Querschnittsfläche. Und die nennt Mercedes erstmal nicht.

Den besten Vergleich der Aerodynamik ermöglicht das Produkt cW * A (mit der Stirnfläche A). Diese Kennzahl mit der Einheit Quadratmeter soll beim XL1 0,279 m2 betragen haben. Die Mercedes A-Klasse Limousine kommt mit 0,22 mal 2,19 m2 auf 0,482 m2, was im Jahr 2018 laut Hersteller Weltrekord für ein Serienauto war. Noch niedriger liegt die Studie Aptera 2 Series von 2011 mit 0,190 m2. Am anderen Ende der Skala liegt der Hummer von 2003, der auf 2,44 m2 kam. Hoffen wir, das Mercedes diese Kennziffer auch für den EQS bekannt gibt, wenn das Auto am 15. April vorgestellt wird.

Der EQS basiert auf der Plattform EVA und bekommt Batterien mit NMC811-Chemie. Die Speicherkapazität wird je nach Version bis zu 108 kWh netto betragen, die Reichweite bei bis zu 700 Kilometern nach WLTP. Produziert wird der EQS gemeinsam mit der neuen S-Klasse in der Factory 56 im Werk Sindelfingen. Die Batterie wird im benachbarten Hedelfingen zusammengebaut, die Zellen dafür dürften allerdings aus Asien kommen.

Bildergalerie: 2022 Mercedes EQS Workshop