Niederländisches Start-up Flynt zeigt 800-Volt-Elektrotransporter
eLCV vom chinesischen Hersteller MiracoMotor bietet bis zu 500 km Reichweite und schnelles Laden
Das niederländische Start-up Flynt präsentiert einen Elektro-Transporter für Europa. Es handelt sich um einen LKW aus chinesischer Produktion für den regionalen oder urbanen Einsatz. Er bietet eine 100-kWh-Batterie und einen niedrigen Verbrauch, was bis zu 500 km WLTP-Reichweite ermöglich. Dank 800-Volt-Architektur bietet der Laster auch schnelles Laden.
Basis ist eine dedizierte Elektro-Plattform von MiracoMotor, einem Elektrolaster-Spezialist aus dem chinesischen GAC-Konzern. Diese Firma wird den Transporter auch in China herstellen. Doch die Anforderungen an das Fahrzeug wurden in Europa durch Flynt definiert. Man habe in den letzten 18 Monaten intensiv mit europäischen Flottenbetreibern, Fahrern und Mobilitätsexperten gesprochen, so die Firma.
Bildergalerie: Flynt eLCV (2026)
Am wichtigsten war den Experten offenbar ein niedriger Verbrauch, eine ordentliche reale Reichweite,
kurze Ladezeiten, gute Konnektivität und ein großzügiger Laderaum – und das bei
niedrigen Gesamtbetriebskosten.
Was die Technik angeht, so sind Front-, Heck- und Allradantrieb möglich, zur Leistung schweigt sich Flynt aus. Die 100-kWh-Batterie sorgt jedoch für bis zu 500 km Reichweite nach WLTP. Dank 800-Volt-System wird mit bis zu 220 kW geladen. Die Ladedauer soll nur 20 min betragen, allerdings bezogen auf den ungewöhnlichen Ladehub von 30 bis 80%. Umgerechnet sind das 2,5 kWh pro Minute Ladezeit – für 800 Volt kein Spitzenwert, aber für ein Nutzfahrzeug sehr beachtlich.
Technische Daten des Elektro-Lasters von Flynt
- Frontantrieb, Heckantrieb oder Allradantrieb
- Akku / WLTP-Reichweite: 100 kWh (NCM) / bis zu 500 km
- WLTP-Stromverbrauch: 20 kWh/100km (3,5 t)
- Maximale Ladeleistung: 22 kW mit AC, 220 kW mit DC
- DC-Ladedauer (30-80 %): 20 min
- Ladevolumen: 8,7 bis 16,5 m³
- Nutzlast: bis zu 1.630 kg
Auch das Cockpit bietet für ein Elektro-Nutzfahrzeug viel moderne Technik. Innen gibt es ein 8,8-Zoll-Instrumentendisplay und einen 12,8-Zoll-Touchscreen. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto werden unterstützt. Ansonsten bietet das Fahrzeug noch bidirektionales Laden (Vehicle-to-Load und Vehicle-to-Grid) sowie serienmäßig teilautonomes Fahren auf Level 2, wobei die Systemarchitektur bis zu Level 4 unterstützen soll.
Das Cockpit des Elektrotransporters von Flynt bietet zwei Displays
Angaben zum Preis des Elektro-Transporters macht Flynt noch nicht. Doch die Betriebskosten (Total Cost of Ownership) sollen deutlich niedriger sein als bei einem Dieselfahrzeug. Dabei helfen der niedrige Verbrauch, ein geringer Wartungsaufwand und minimale Ausfallzeiten, so Flynt.
Statt eigene Produktionsstätten zu betreiben, arbeite man lieber mit chinesischen Herstellern zusammen, schreibt Flynt. Diese legten bei der Entwicklung ein enormes Tempo vor und hätten Kostenvorteile bei den Plattformen, Batterien und Antrieben. Zudem seien die Partner weit vorn bei softwaredefinierten Fahrzeugen, und die Produkte seien vielfach erprobt.
Flynt steuert sein Know-how über die Anforderungen europäischer Flotten, die regulatorischen Rahmenbedingungen und die benötigte Service-Infrastruktur bei. Dieses Geschäftsmodell ermögliche es, innovative Fahrzeuge schnell und zu niedrigen Kosten auf die Straße zu bringen – bei gleichzeitig hoher Anpassungsfähigkeit in einem sich dynamisch entwickelnden Markt.
Im Januar 2025 präsentierte Flynt erste Prototypen in China. Die ersten Fahrzeuge sollen im Sommer 2025 in Europa ankommen – für Pilotprogramme, Kundenveranstaltungen und lokalisierte Tests. Die offizielle Markteinführung in den ersten europäischen Märkten ist für 2026 geplant. Anschließend will man schrittweise in 26 Länder Europas expandieren.
Parallel dazu will Flynt eine digitale Plattform aufbauen, die vom Erstkontakt bis hin zu Betrieb und Service reicht. Man wolle nicht nur Fahrzeuge anzubieten, sondern eine 360-Grad-Lösung inklusive "nachhaltiger Energieangebote", also wohl Grünstrom für die Fahrzeuge. Erste Vertriebsvereinbarungen sind bereits unterzeichnet.
Unter dem Strich
Von "China Speed" schwärmt so mancher westliche Auto-Manager: Im Reich der Mitte werden Elektrofahrzeuge viel schneller entwickelt als bei uns und die Modelle kommen ruckzuck auf den Markt. Das will das niederländische Start-up Flynt für sich nutzen. Die Plattform des neuen Elektro-Transporters wurde in China entwickelt, aber Flynt definierte die genauen Eigenschaften, die nach intensiven Gesprächen mit der hiesigen Kundschaft festgelegt wurden.
Das erste Fahrzeug, ein Elektrotransporter mit stattlichen 500 km Reichweite und schnellem Laden, stammt von einer Tochter des GAC-Konzerns, aber Flynt will flexibel bleiben, sodass das nächste Modell vermutlich auch von einem anderen Anbietern kommen könnte. Das Geschäftsmodell wirkt plausibel.
Quelle: Flynt
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