V2L-Pilotprojekt: Elektroautos als Not-Stromquelle für Mobilfunk
In Österreich zeigen Renault und der Mobilfunkanbieter A1, wie man bei Stromausfall die Mobilfunk-Basistationen versorgen kann.
Der Mobilfunk gehört zur kritischen Infrastruktur. Denn bei einem Stromausfall ist das Festnetz sofort tot; dann bleibt nur noch das Handy, um Hilfe zu holen. Aber auch der Mobilfunk kann von einem Blackout betroffen sein. Zwar haben die Mobilfunkanlagen eine Pufferbatterie, aber auch der geht früher oder später der Saft aus. Dann könnte man die Batterie von Elektroautos als Not-Stromquelle nutzen, so die Idee hinter einem Pilotprojekt in Österreich.
Übertragungsleitungen und Vermittlungsstellen sind meist mit großen, dieselbetriebenen Notstromsystemen abgesichert, doch für tausende Basistationen ist das nicht machbar. Diese könnten über die Vehicle-to-Load-Technologie (V2L) von Elektroautos mit Strom versorgt werden. In Raasdorf bei Wien demonstrieren der österreichische Mobilfunkanbieter A1, Renault Österreich und die lokale Gemeinde, wie das funktioniert.
Das Pilotprojekt-Team aus Österreich vor einem R4 und einem R5: A1-Technikvorstand Christian Laqué, Renault-Österreich-Chef Ralf Benecke, der Raasdorfer Bürgermeister Lukas Zehetbauer und Christian Zeindlhofer, Leiter des Risiko- und Resilienzmanagements von A1 (v.l.n.r.)
"Jede Basisstation verfügt über eine Notstrombatterie für rund 30 Minuten", erklärt Christian Zeindlhofer, Leiter des Risiko- und Resilienzmanagements von A1. "Ein Elektroauto kann im Ernstfall als mobile Powerbank eingesetzt werden, um den Betrieb länger aufrechtzuerhalten."
Im Falle eines regionalen Stromausfalls würde ein V2L-fähiges Auto wie ein elektrischer Renault 4 oder 5 zur betroffenen Mobilfunkstation gebracht. Über die V2L-Schnittstelle speist das Fahrzeug dann direkt Energie aus seiner Batterie in die Station ein. Über ein intelligentes Managementsystem wird der Verbrauch exakt gesteuert. So bleibt die Mobilfunkversorgung auch ohne Netzstrom stabil, Notrufe sind weiterhin möglich und die Kommunikation der Bevölkerung sowie der Einsatzkräfte ist gesichert.
Mit dem V2L-Adapter von Renault kann man am Ladeport Strom per Schukostecker ziehen
Dazu braucht es nicht unbedingt Fachleute, wie die österreichische Tageszeitung Der Standard berichtet. Denn die Verbindung mit der Mobilfunkstation kann ohne technisches Vorwissen hergestellt werden: Man steckt den V2L-Adapter in den Ladeport und stöpselt dann einen Schukostecker in diesen ein. So können prinzipiell alle, die ein V2L-fähiges Elektroauto besitzen, eine Mobilfunk-Basisstation in der Umgebung mit Strom versorgen.
Darauf setzt auch der Bürgermeister im österreichischen Raasdorf, denn die Gemeinde hat bisher nur ein einziges solches Fahrzeug. Aber im Fall der Fälle würden sich genug Freiwillige oder lokale Unternehmen finden, die mit ihrem Elektroauto helfen, da ist sich der Ortschef sicher.
Alle 8.000 österreichischen Basistationen mit der Technologie auszustatten, ist unmöglich. Denn ein Teil befindet sich auf Gebäuden oder in unwegsamem Gelände. Aber schon, wenn die Hälfte der Anlagen mit E-Autos betrieben werden kann, könnte man eine solide Grundabdeckung erreichen, so ein Fachmann von A1.
Ein R4 oder R5 kann die Anlage für 12 Stunden versorgen; auch danach bleibt noch Strom für 60 km Fahrstrecke. Bei einem Stromausfall wird die Anlage in einen Notbetrieb geschaltet: Um Energie zu sparen, wird das mobile Internet gedrosselt, und auch bei Sprachverbindungen wird Strom gespart. Dazu werden hohe Frequenzen nicht mehr voll übertragen, während tiefe Frequenzen weiter gesendet werden. Oder wie es bei der Vorstellung des Pilotprojekts hieß: Netflix in 4K wird nicht funktionieren, aber für die wirklich wichtigen Dienste reicht es.
Unter dem Strich
Viele Renaults, Hyundais und Kias, aber auch Modelle von VW und Volvo: Inzwischen unterstützen schon zahlreiche Elektroautos das bidirektionale Laden. Der Strom aus den Traktionsbatterien dieser Fahrzeuge könnte im Notfall eine wichtige Reserve darstellen. Man könnte damit nicht nur den eigenen Haushalt am Laufen halten, sondern in Katastrophenfällen sogar Leben retten. Denn bei einem Stromausfall ist Kommunikation lebenswichtig: Ohne Mobilfunk ist es schwierig, Hilfe zu holen.
Quelle: Renault Österreich via DerStandard.at
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