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Videobericht: BMW iX3 schafft 1.000 km mit nur zwei Ladestopps

Bei der 1.000-km-Challenge von Bjørn Nyland beeindruckt das SUV der Neuen Klasse mit schnellem Laden und der bisher besten Zeit.

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35:11

805 km maximale Reichweite nach WLTP und sehr schnelles Laden: Der neue BMW iX3 auf Basis der Neuen Klasse gehört zu den Elektroautos, denen wir die größte Langstreckentauglichkeit zutrauen. Ob das auch in der Praxis gilt, ermittelt Bjørn Nyland bei seinen 1.000-km-Challenges. Nun hat er einen iX3 getestet – mit interessanten Ergebnissen.

Bei der 1.000-km-Challenge nutzt Bjørn die Autobahnen in Norwegen und Schweden, und zwar nachts, bei wenig Verkehr. Je nach Tempolimit fährt er meist 100 oder 120 km/h. Es geht um die Zeit, die er für die 1.000 km benötigt, wobei die Dauer der Ladestopps mitzählen. Um die Strecke in möglichst kurzer Zeit zu schaffen, geht der Kollege flexibel vor: Bei einem Auto kann es sinnvoller sein, nur kurz und dafür öfter zu laden, andere müssen vor dem Schnellladen aggressiv gefahren werden, um die Batterie auf Temperatur zu bringen. Beim iX3 50 xDrive wollte die Community wissen, ob zwei Ladestopps ausreichen. Und es gelang zum ersten Mal.

Bei dem Testfahrzeug handelte es sich um den 345 kW starken BMW iX3 50 xDrive mit 108,7-kWh-Batterie. Die gefahrene Version hatte 21-Zoll-Räder, mit denen die WLTP-Reichweite laut Konfigurator auf 778 km sinkt – die Maximalreichweite von 805 km wird mit 20-Zöllern erzielt. Bei vollem Akku meldete der Testwagen sogar "nur" 753 km Reichweite. Interessanterweise änderte sich dieser Wert, nachdem das Navigationsziel eingegeben worden war: Die prognostizierte Reichweite fiel auf 531 km, weil das Auto nun "wusste", dass auf der Autobahn gefahren wird. 

Beim ersten Ladestopp an einer 400-kW-Säule wurde bei 10 Prozent Ladestand tatsächlich die versprochene Ladeleistung von 400 kW erreicht. Die Säule hatte einen 600-Ampere-Boost, den man auch braucht, um diesen Wert zu erzielen. Denn geladen wurde am Anfang mit 755 Volt und 530 Ampere, was rund 400 kW ergibt. Mit den üblichen 500 Ampere wären es rechnerisch nur etwa 380 kW gewesen. Die Ladekurve war ordentlich; so wurden bei 33 Prozent SoC immer noch 353 kW gemessen, bei 53 Prozent 284 kW. Danach fiel sie allerdings ab, sodass es bei 80 Prozent nur noch 120 kW waren. Die ganze Session von 6 bis 80 Prozent dauerte 21 Minuten.

Ladekurve des BMW iX3 50 xDrive bei Björns erstem Ladestopp
Bild von: Bjorn Nyland (YouTube)

Beim zweiten Ladestopp hielt Bjørn an einer 350-kW-Säule. Bei 17 Prozent Ladestand wurde dieser Wert erreicht, bei 40 Prozent waren es noch 325 kW, bei 50 Prozent 250 kW und bei 75 Prozent noch 142 kW. Bei diesem Ladestand stoppte Bjørn die Session, weil er sicher war, damit am Ziel anzukommen. Wie beim ersten Ladestopp stieg die Batterietemperatur auf 60 Grad.

Bjørn kritisiert die Restreichweitenberechnung im iX3, die offenbar verbrauchserhöhende Faktoren nicht bei der Prognose einbezieht. Bei der Rückfahrt mit Gegenwind ging das System nicht davon aus, dass der Mehrverbrauch anhält, sondern berücksichtigte nur den Durchschnittsverbrauch. Die Folge: Die prognostizierte Restladung am Ziel wird ständig heruntergesetzt, hier von 18 bis auf 7 Prozent. Tesla dagegen rechne einen konstanten Mehrverbrauch (durch Gegenwind, einen Anhänger oder dergleichen) hoch, so der Tester. 

Zum Schluss wurde noch das Laden bei 400 Volt an einem Tesla-Supercharger erprobt. Dabei wurden bei niedrigem Ladestand immerhin 170 kW erreicht. Das sei die bisher höchste Ladeleistung, die er mit einem 800-Volt-Modell an einer 400-Volt-Säule erzielt habe, so Bjørn. E-GMP-Fahrzeuge aus Korea kämen nur auf rund 100 kW, der Audi Q6 e-tron mit seinem Bankladen auf 135 kW.

Was die Stromkosten angeht, so profitiert der iX3 50 xDrive von seiner großen Batterie, wenn man den Akku vor dem Start mit günstigem Haushaltsstrom lädt. Wir haben die Rechnung mit deutschen Stromkosten nachvollzogen. Mit dem Haushaltsstrompreis laut Verivox und dem Ionity-Preis ohne Anmeldung ergeben sich Stromkosten von rund 14,4 Euro/100 km:

  Geladene Energie Strompreis Kosten
Wallbox 111,4 kWh 0,25 Euro/kWh 27,85 Euro
Ionity 169 kWh 0,69 Euro/kWh 116,61 Euro
Kosten für 1.000 km     144,46 Euro

Bei einem Vergleich mit einem BMW X3 Diesel ist das Elektroauto um die Hälfte günstiger. Mit deutschen Preisen ergibt sich jedoch fast ein Gleichstand (mit einem Diesel-Durchschnittsverbrauch von 6,5 Liter/100 km auf der Autobahn und einem Dieselpreis von 2,17 Euro/Liter (Durchschnitt vom 1. Mai nachmittags laut ADAC).

Ergebnistabelle der 1.000-km-Challenge von Bjørn Nyland
Bild von: Bjorn Nyland (YouTube)

In der Ergebnistabelle aller 1.000-km-Tests landet der BMW iX3 50 xDrive ganz oben. Nur ein Hybrid, ein Wasserstoff-Modell und Modelle mit Batterietausch bewältigten die 1.000 km noch schneller. Ebenfalls 8:55 Stunden benötigten das Tesla Model S und der Zeekr 7X, die allerdings beide bei deutlich höheren Temperaturen getestet wurden. Der mit dem BMW erzielte Gesamtverbrauch von 25,4 kWh/100 km ist für ein SUV niedrig. Noch niedriger wäre er mit 20-Zoll-Rädern und bei sommerlichen Temperaturen.

Alles in allem vereint der BMW iX3 sehr schnelles Laden mit einem niedrigen Verbrauch und einer großen Batterie. Zusammen ergibt das eine sehr gute Langstreckentauglichkeit, so der Tester. Chinesische Autos wie ein Xpeng G9 laden zwar sehr schnell, sind aber weniger effizient und haben etwas kleinere Batterien. Ein Tesla (wie ein Model Y) wiederum ist zwar sparsam, aber langsamer beim Laden und die Batterie ist kleiner. So sei der iX3 das ideale Auto, um Leute zu überzeugen, die aus der Verbrenner-Welt kommen und lange Strecken fahren wollen.

Unter dem Strich

Der 1.000-km-Test des BMW iX3 bestätigt im Grunde, was wir anhand der Daten schon vermutet haben: Das Auto ist sehr gut auf der Langstrecke. Gelernt haben wir, dass der iX3 an der 800-Volt-Säule die versprochenen 400 kW nur schafft, wenn der Lader mehr als 500 Ampere spenden kann. Und dass an der 400-Volt-Säule immerhin 170 kW möglich sind. Sehr erstaunlich fanden wir die hohe Temperatur von 60 Grad, die BMW seinem Akku zumutet, ohne die Ladeleistung herunterzuregeln. Bei Bjørns Videos kann man immer noch etwas dazulernen – wir empfehlen seinen YouTube-Kanal stets gerne.