Kia EV4 Air (2026) 58,3 kWh im Test: König der Kompaktklasse?
Der Koreaner glänzt im Test mit Ladekurve, Top-Verbrauch und viel Platz – reicht die Basis zum Thron?
Kia hat längst die Rolle des Gegenläufers in der Automobilindustrie übernommen. Von Einheitsbrei oder Langeweile kann hier kaum die Rede sein. Ihre E-Autos schmücken sich mit extravaganten Designs, viel Mut und technologischer Konsequenz. Und trotz Star-Map-Design besticht jedes Modell durch seine Eigenheiten.
Das mag vielleicht nicht jedem gefallen, auffallen werden die neusten Kia-Modelle in jedem Fall. Und da reden wir noch nicht mal über den EV4 Fastback. Der darf sich zu einem anderen Zeitpunkt präsentieren. Denn sein Kompakt-Bruder EV4 ist nicht weniger extravagant. Auch wenn er auf das 800-Volt-System seines großen Bruders EV6 verzichtet, hat er im C-Segment einiges zu bieten.
Bildergalerie: Kia EV4 (2026) im Test
So ist die Ausstattung klassisch koreanisch schon in der Basis "Air" üppig. Zu den Highlights zählen 17-Zoll-Felgen, Batterievorheizsystem, Klimaautomatik, Rückfahrkamera und etliche Assistenten. Das 400-Volt-System spart sich einen saftigen Aufpreis gegenüber dem technologischen Fortschritt, der in der Kompaktklasse derzeit eh kaum verbreitet ist.
Auf dem Papier stehen 150 kW (204 PS), 283 Nm und 7,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h bei einem Verbrauch von 14,7 kWh und einer Gesamtreichweite von 440 Kilometer. Das klingt nicht nur solide, das ist schon auf dem Papier als Einstiegsversion im Segment weit vorne. Und mal ehrlich, wir sind inzwischen schon froh, wenn ein Hersteller mal nicht ein weiteres beliebiges SUV auf den Markt schmeißt ... und dann noch mit Thron-Ambitionen.
| Schnelle Daten | Kia EV4 Air (2026) 58,3 kWh |
| Antrieb | - Permanentmagnet-Synchronmaschine - Frontantrieb |
| Systemleistung / Max Drehmoment | 150 kW (204 PS) / 283 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 170 km/h |
| 0 - 100 km/h | 7,4 Sekunden |
| Stromverbrauch / Reichweite (WLTP) | 14,7 kWh / 440 km |
| Akku | 400-Volt-System / 58,3-kWh Lithium-Ionen-Akku |
| Maximale Ladeleistung / 10 - 80 Prozent | 101 kW / 29 Minuten |
| Preis | 37.590 Euro |
Karosserie und Design | Innenraum | Antrieb und Fahreindrücke | Batterie und Laden | Verbrauch und Preise | Fazit
Karosserie und Design
Der Kia EV4 kommt dabei so flach geduckt wie kaum ein anderer. Nur knapp 1,49 Meter misst er in der Höhe auf 4,43 Meter Länge: Flacher und länger als die eher klassisch kompakt angelegte Knubbelkonkurrenz um Cupra Born und VW ID.3 Neo. In der Silhouette erinnert der Kompakte noch an seinen Mittelklasse-Bruder EV6, gönnt sich aber eigene Scheinwerferzeichnungen und eine kantigere Heckpartie.
Wer etwas Ausgefallenes sucht, ist beim EV4 definitiv richtig. Überall finden sich Schwünge, Kanten und spannende Zeichnungen. Die Schnauze kommt fast so geduckt, wie die eines Formel-1-Boliden. Richtig aerodynamisch steht er da, was ihm sehr nutzt, wie sich später zeigen wird. Seitlich gönnt sich der Koreaner eine schlanke Fensterfront, manuell zu öffnende und versenkbare Türgriffe und eine richtig fette C-Säule. Das Heck kommt mit knackigem Hüftschwung-Statement aus vertikal abfallenden Heckleuchten.
Die 17-Zoll-Alus auf Winterreifen sehen tatsächlich ungewohnt üppig gummiert aus. Eine Nummer größer würde dem EV4 also sicher gut stehen, jedoch muss dann auch mit einem härteren Fahrverhalten gerechnet werden. Verzichten darf der Kompakte gern auf die robust wirken wollende, SUV-typische Radlaufbeplankung. Kia, bitte folgt dem Kompakt-Konzern-Bruder Genesis GV60 und entfernt das Hartplastik. Das hat der EV4 nicht nötig!
Innenraum
Den Innenraum dominiert das große Panorama-Display aus Kombiinstrument, Bildschirm und dem mittig dazwischen platzierten Klima-Menü. Letzteres wird im EV4 erfreulicherweise nicht derart vom Lenkradkranz versteckt wie im EV2. Durch das Menü klickt es sich angenehm fix und gewohnt geradlinig.
Eine tiefe Sitzposition und diverse Einstellungen erzeugen sofortigen Sitzkomfort. Das Raumgefühl ist behaglich. Die rilligen Sitzflächen sind zwar etwas schwerer zu reinigen, aber ansehnlich. Insgesamt wirkt das Innenraumdesign fokussiert und modern. Kia-typisch setzt auch der EV4 auf zugängliche Doppelbelegung per physischer Tasten oder Touchdisplay.
Auch hinten ist der Raum für die Kompaktklasse großzügig gestaltet. Hier kommen dem Koreaner die zusätzlichen Zentimeter gegenüber der Konkurrenz zugute. Mit 435 bis 1.415 Litern zeigt sich das Kofferraumvolumen zudem als ladefreundlich. Sperrigere "Fracht" findet eine nahezu ebene Fläche ohne Übergangskante – stark! Zum Vergleich: Born und ID.3 Neo kommen mit 383 bis 1.336 Liter, beziehungsweise 385 bis 1.267 Liter.
Die oben angesprochene fette C-Säule verhindert jedoch eine gute visuelle Sicht nach hinten – die Heckkamera springt zuverlässig ein. Wer Frontkamera oder Draufsicht braucht, sollte eine höhere Ausstattung wählen. Vermisst haben wir sie nicht, auch wenn die Nase des EV4 nicht sichtbar ist. Die Proportionen lassen sich gut einschätzen.
| Abmessungen | Kia EV4 Air (2026) 58,3 kWh |
| Länge x Breite x Höhe | 4.430 x 1.860 x 1.485 mm |
| Radstand | 2.820 mm |
| Gewicht | 1.811 kg |
| Zuladung | 459 kg |
| Kofferraumvolumen | 435 - 1.415 Liter |
| Max. Anhängelast | 500 kg |
| Max. Stützlast | 100 kg |
Antrieb und Fahreindrücke
Bei der fast schon notorischen Hatz nach PS-Rekorden macht der EV4 nicht mit. Der Antrieb mit 150 kW auf 1,8 Tonnen ist absolut alltagstauglich und ausreichend. Dabei verhält sich der Kompakte auch weniger aggressiv als etwaige Kollegen. Gleichmäßig aber schön smooth beschleunigt der Koreaner, ohne ein unangenehmes Ruckgefühl zu vermitteln. Nummer Vier versteht was von Sensibilität: gefällt uns!
Dabei liegt er schön, ruhig und stabil auf der Straße. Tiefer Schwerpunkt und flache Dachlinie sei dank, können Kurven auch mal schön agil angegangen werden. Der EV4 macht jede Art von Herangehensweise möglich, ohne dabei zu hart oder zu weich zu wirken. Womöglich ist das aber (wie oben angesprochen) den Winter-Pneus geschuldet.
Größere Felgen könnten ihn noch einen Ticken härter machen, was ich persönlich begrüßen würde. Nichtsdestotrotz ist dieses E-Gefährt ganz fein und sauber abgestimmt. Ein echter Alleskönner. In das gute Fahrgefühl stimmt auch die Bremse ein, die diesen so nervigen Übergang von Rekuperation auf physische Bremse sehr gut und unbemerkt meistert.
Mit den etwas zu nervös agierenden Helfern hadert allerdings auch der Kia EV4. Wie seine Konzern-Brüder reagieren Crash-, Aufmerksamkeits- und Toter-Winkel-Warner etwas zu hyperaktiv. Scheinbar will man es so, mich aber nervt der etwas hyperaktiv wirkende Einsatz innerhalb normaler Fahrsituationen eher. Mit einem Klick lässt sich das zwar alles abschalten, auf funktionierende Assistenten will man aber eigentlich nicht verzichten.
Also Kia, etwas mehr Contenance würde euch gut stehen. Gerade wenn im engen Stadtverkehr regelmäßig ein Auffahrunfall prophezeit wird, obwohl ich nur entspannt hinterhergleite oder parkenden Autos ausweiche.
Batterie und Laden
Mit 17-Zoll-Felgen weist Kia beim 58,3-kWh-Akku des EV4 440 Kilometer Reichweite aus. Dafür muss nicht mal der Gasfuß gezügelt werden, wie ich es Ihnen gleich unten ausführlich ausbaldowern werde. Damit das klappt, ist ein reger Gebrauch der verschiedenen Rekuperationsstufen des 400-Volt-Systems im Kompakten von Vorteil.
Insgesamt sieben Stufen stehen zur Auswahl. Von Segeln bis starker Rekuperation – inklusive One-Pedal-Driving-Modus (i-Pedal), der komfortabel zum selbstständigen Stillstand des EV4 führt. Lediglich Stufe drei agiert beim Stoppen ein wenig ruppig. Insgesamt lässt sich jedoch immer die passende Stufe für den individuellen Einsatz finden. So geht effektives E-Auto-Fahren.
Genau diese Effektivität zeigt der EV4 auch an der Schnellladesäule. Einmal eingesteckt geht's unmittelbar in Richtung der maximalen Ladeleistung von 101 kW. Ladekurve können wir das allerdings nicht mehr nennen. Anders als die Konkurrenz zeigt der Koreaner nicht etwa einen kurz gehaltenen Spitzenwert, der Kia bleibt flach bei der Arbeit.
Wir würden es eher Ladestrich nennen. Kein kurzer Peak, keine gemächlich abflachende Kurve. Der Kompakte hält seine Leistung zwischen 15 und 60 Prozent einfach auf einer Linie bei – stark! Bei einem derartigen Ladeverhalten ist der kleine Akku eher Vorteil statt Nachteil.
Verbrauch und Preise
Der Verbrauch ist beim Kia EV4 nahezu unschlagbar. Ein prächtiges Energie-Management und die schlanke Karosse, die elegant durch den Wind schlüpft, erzeugt Werte zum Staunen. Auf einer etwa sechs Kilometer langen Stadtfahrt vom Osten in den Westen von Bochum und Temperaturen um die 14 Grad gönnte sich der Koreaner schmale 7,9 kWh. Mehrere weitere Stadtfahrten belegten: Das ist die Regel, nicht die Ausnahme!
Reine Autobahnfahrten erzeugten hingegen ordentliche Verbräuche um die 16 kWh. Insgesamt kamen wir im Test über 220 Kilometer damit auf einen kombinierten Verbrauch von 12,8 kWh bei insgesamt nicht mal ansatzweise frühlingshaften Temperaturen. Das sind auf 100 Kilometern 1,9 kWh weniger als der WLTP-Kombi-Wert – Chapeau Kia!
Der Air mit dem 58,3-kWh-Akku kommt ab 37.590 Euro schon reichhaltig ausgestattet. Die 17-Zoll-Felgen sparen Energie, das so wichtige Batterievorheizsystem ist mit an Bord. Wer Sitz- und Lenkradheizung bevorzugt, geht auf den Earth ab 39.890 Euro. "Volle Hütte" gibt's im GT-Line mit 19-Zoll-Sportfelgen, GT-Details, Wärmepumpe für den Innenraum und etlichen weiteren Helfern für 49.440 Euro.
Hier fährt der große Akku bereits mit. Im Air kosten 594 Kilometer Reichweite und 128 kW maximaler Ladeleistung bei 81,4-kWh-Batterie mindestens 43.240 Euro. Ganz ehrlich, sparen Sie sich Aufpreis und Extragewicht. Ladekurve und Verbrauch sind beim Koreaner auch in der Basis exzellent. Gehen Sie eher auf den Earth oder gönnen Sie sich das Winterpaket für 1.100 Euro. Damit fährt es sich perfekt ausgestattet.
Die kompakte Konkurrenz besteht vor allem aus den Verkaufsschlagern Cupra Born (ab 39.990 Euro) und VW ID.3 Neo (ab 33.995 Euro). Beide kommen jedoch in der Basis wesentlich schlechter ausgestattet. Ersterer landet mit ähnlichen Paketen ebenfalls eher bei 40.000 Euro. Auch Opel Astra (ab 39.990 Euro) und Peugeot E-308 (ab 42.435 Euro) legen preislich ordentlich drauf, können aber bei den Ladedaten nicht mithalten. Günstiger und ähnlich ausgestattet geht's derzeit nur mit dem BYD Dolphin ab 33.990 Euro, dem Leapmotor B05 mit 56,2-kWh-Akku ab 27.900 Euro und dem MG4 EV Urban ab 24.990 Euro.
Fazit: 8,5/10
Kia hat hier einen richtig starken Kompaktvertreter ins Rennen geschickt. Ladeperformance, Verbrauch, Raum und Fahrverhalten sind Pole-Position-würdig. Die einzigen Mankos bilden die hyperaktiven Assistenten und die schlechte visuelle Sicht nach hinten. Ein echter Preiskracher ist der Koreaner zwar leider nicht mehr, das Mehr an Ausstattung positioniert den Kompakten in Sachen Preis-Leistung vor der europäischen Konkurrenz.
Gerade weil ein Batterievorheizsystem schon im Einstieg mit an Bord ist. Wer in der vollelektrischen Kompaktklasse sucht, muss dem EV4 eine Chance geben. Unabhängig von der Optik! Denn hier wartet kein Mitanwärter, hier wartet tatsächlich der König.
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