Im Oktober begann die Auslieferung des Lucid Air in den USA. In den verbleibenden zwei Monaten lieferte das kalifornische Startup 125 Autos an Kundinnen und Kunden aus. Damit verfehlte der Hersteller sein Ziel von 577 Fahrzeugen für 2021 deutlich.

Immerhin steigen die Produktionszahlen nun, denn insgesamt wurden bisher 400 Lucid Air produziert und 300 ausgeliefert. Demnach wurden in den ersten zwei Monaten 2022 mehr als doppelt so viele Autos an Kunden übergeben als in den letzten zwei Monaten 2021. 

Doch das Produktionsziel für 2022 ist nicht haltbar. Statt 20.000 Fahrzeugen will man nun nur noch 12.000 bis 14.000 produzieren. Als Grund nennt Lucid Probleme in der Lieferkette und seine Konzentration auf qualitativ gute Autos.

Bildergalerie: Lucid Air (2022)

Mit einer Jahresproduktion von rund 13.000 wird Lucid der Nachfrage lange hinterherhinken. Denn derzeit hat man mehr als 25.000 Reservierungen für die luxuriöse Elektro-Limousine. Diese Reservierungen entsprechen einem potenziellen Umsatz von 2,4 Milliarden Dollar.

Im Gesamtjahr 2021 verdiente Lucid rund 27 Millionen Dollar, vor allem mit dem Verkauf der 125 Fahrzeuge der Startedition Dream Edition (zum Stückpreis von 169.000 Dollar). Dem stehen allerdings hohe Ausgaben gegenüber, so dass sich ein Nettoverlust von 2,6 Milliarden Dollar für das Gesamtjahr ergab. Doch Geld scheint Lucid genug zu haben. Unter anderem nahm die Firma mit einer Anleihe zwei Milliarden Dollar ein.

Gebaut wird der Lucid Air in einer Fabrik in Casa Grande (Arizona). Die Elektromotoren, Getriebe, Inverter und die Wunderbox (das 900-Volt-Batteriesystem und das Onboard-Ladesystem) werden nebenan von Lucid selbst produziert. Die Produktionskapazität des Autowerks gibt Lucid mit 34.000 Stück jährlich an. Es soll nun in einer zweiten Phase auf 90.000 Stück erweitert werden – unter anderem auch für das Projekt Gravity, ein für 2023 angekündigtes Elektro-SUV. Irgendwann soll die Kapazität sogar auf 365.000 Stück wachsen.

Geplantes Lucid-Werk in Saudi Arabien (Rendering)

Zudem will man auch noch eine Produktionsanlage in Saudi Arabien aufbauen, wie Lucid zeitgleich mitteilte. Der Bau in der King Abdullah Economic City (KAEC) soll noch in der ersten Jahreshälfte beginnen und 2025 abgeschlossen sein. Zunächst will man dort in Arizona vorbereitete Kits des Lucid Air zusammenbauen, später aber komplette Fahrzeuge fertigen. Dann sollen dort bis zu 150.000 Autos pro Jahr entstehen – für Saudi Arabien, aber auch andere Märkte. Zusammen mit der Fabrik in Arizona soll damit eine Kapazität von über 500.000 Autos pro Jahr entstehen.

"Lucid will ein Katalysator für den Wandel zu sein, wo immer wir hingehen, daher macht es absolut Sinn, dass wir Elektrofahrzeuge in eines der größten Öl produzierenden Länder der Welt bringen", sagte Lucid-Chef Peter Rawlinson. Laut Reuters gehört die Lucid Group zu 63 Prozent dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF.

Der Lucid Air sollte ursprünglich schon 2021 nach Deutschland kommen. Im Sommer hieß es dann, das Auto werde Anfang 2022 bei uns starten. In den Verlautbarungen zum Geschäftsbericht für 2021 kommt die Expansion nach Europa nicht vor. Doch ist im Zentrum von München seit dem Herbst 2021 ein Laden für Lucid reserviert. Dort wird die Eröffnung für das Frühjahr angekündigt:

Lucid-Showroom in München Bild vom November 2021)