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Neuer Nissan Leaf: Laut ersten Tests ein komfortables Alltagsauto

Was bietet der 4,35 m lange Kompakt-Stromer mit bis zu 604 km Reichweite und 160 kW-Frontantrieb? Erste Tests geben Hinweise.

Nissan Leaf (2026) in Rot
Bild von: Nissan

Der neue Nissan Leaf startet zum Jahreswechsel. Wir werden den 4,35 Meter langen elektrischen Kompakt-Crossover mit wahlweise 130 oder 160 kW starkem Frontantrieb und bis zu 604 km Reichweite im Oktober fahren, doch die ersten Tests sind schon erschienen. Wir werfen einen Blick auf die Ergebnisse von Vicky Parrott in der Autozeitung, von James Attwood in Autocar, Wolfgang Gomoll in Autobild sowie Stefan Grundhoff in Elektroauto-News.

Technische Basis für den Neuling ist CMF-EV oder AmpR Medium, wie Renault die Plattform nennt. Damit gehören Renault Megane und Scenic, der Alpine A390 sowie der Nissan Ariya zu den Schwestermodellen. Unter den CMF-EV-Modellen bietet der Nissan Leaf mit maximal 604 km am meisten Reichweite. Möglich wird das durch hohe Effizienz und durch den großen, neuen 75-kWh-Akku. Alternativ wird ein 52-kWh-Akku angeboten, der laut Elektroauto-News aus dem Renault 5 stammt. 

Entwicklungsziel beim Leaf war laut Chefingenieur Hiroki Isobe ein benutzerfreundliches Auto für den Alltag mit einem Schwerpunkt bei der Effizienz, wie Autocar berichtet. Das habe zu einer aerodynamisch geformten Karosserie mit bündigen Türgriffen, einer flach liegenden Frontscheibe und einer Unterbodenabdeckung geführt, womit man einen cW-Wert von nur 0,25 erreicht habe. Zu den ausfahrenden Griffen schreibt Autobild, sie würden so vehement herausgedrückt, dass auch eine Eisschicht durchbrochen werde, was im Winter ein Vorteil sei. 

Optik und Exterieur

Was die Optik angeht, so findet Autocar das neue Modell weniger altbacken als den alten Leaf. Die Ähnlichkeit mit dem Ariya sei groß. Vicky Parrot, die normalerweise ebenfalls für Autocar berichtet, schreibt in der Autozeitung, die Front sei modern, aber etwas konventionell, während das Heck eigenständig sei. Elektroauto-News meint, der neue Leaf sei optisch gelungen, die Proportionen stimmig.

Nissan Leaf (2026)
Bilder von: Nissan
Nissan Leaf (2026)
Bilder von: Nissan

Die Meinungen sind also unterschiedlich, am besten Sie machen sich selbst ein Bild. Anzumerken ist aber auch noch, dass die Basisversion des Leaf offenbar eher einfache Rückleuchten hat.

2026 Nissan Leaf Basismodell

Die Rückleuchten der gehobenen und der Basisversion im Vergleich

Bild von: Nissan

Antrieb, Verbrauch und Rekuperation

Wie von der Vorstellung des Nissan Leaf im Juni her bekannt, gibt es das Auto in zwei Versionen. Beide sind Fronttriebler; ein Allradmodell wie beim Ariya sei zumindest derzeit nicht geplant, schreibt die Autozeitung. Hier die wichtigsten Daten:

  Nissan Leaf 52 kWh Nissan Leaf 75 kWh
Antrieb FWD 130 kW FWD 160 kW
0-100 km/h / Höchstgeschwind. 8,6 Sek. / 160 km/h 7,6 Sek. / 160 km/h
WLTP-Verbrauch 14,0 kWh 14,2 kWh
Akku netto 52 kWh 75 kWh
WLTP-Reichweite bis 436 km bis 604 km
Max. Ladeleistung AC/DC 11 / 105 kW 11 / 150 kW
DC-Ladedauer (20-80%) 30 min 30 min

Der Antrieb basiert laut Autocar auf einer überarbeiteten 3-in-1-Einheit. Die Autozeitung schreibt, es würden neue permanenterregte Synchronmaschinen (PSMs) verwendet; dabei dürfte es sich um einen Fehler handeln, denn bei CMF-EV werden unseres Wissens nur stromerregte Synchronmaschinen (EESMs) verwendet.

Nachtrag vom 15. Oktober: Vicky Parrott in der Autozeitung hatte Recht: Der Nissan Leaf hat tatsächlich einen PSM, keinen EESM.

Neu sei zudem die Wärmepumpe. Was genau daran neu ist, bleibt offen; eine Wärmepumpe hat jedenfalls auch schon der Ariya. Das wichtigste Entwicklungsziel soll laut Hirobe Effizienz gewesen sein. Wir fügen hinzu: Das sieht man am WLTP-Verbrauch. Mit von Nissan geschätzten 14,0 bis 14,2 kWh/100 km liegt das Modell deutlich unter dem Kia EV3 (14,9-16,2 kWh) und dem Skoda Elroq (15,7-17,2 kWh). Auch Kompaktwagen wie der EV4 (gleiche Verbrauchswerte wie EV3) oder das deutlich schwächere Zwillingspärchen Opel Astra Electric und Peugeot E-308 (15,2-15,8 kWh) kommen nicht an diese Werte heran. Die Autozeitung merkt dazu noch an, dass der Kia einen größeren Akku für die 605 km Reichweite des EV3 Long Range braucht. Das stimmt: Der Kia EV3 LR hat netto etwa 78 kWh, der Leaf LR dagegen nur 75 kWh. Wir fügen hinzu: Bei Kia wird die große Reichweite nur mit 17-Zöllern erreicht, während die kleinsten Felgen des Leaf 18 Zoll messen. 

Nissan betont die Effizienz bei Autobahngeschwindigkeit. Danach soll die Long-Range-Version bei konstant 130 km/h etwa 330 km schaffen, also 274 km oder 45 Prozent weniger als nach WLTP. Das klingt erstmal nach einem ziemlichen Reichweitenverlust, aber laut EVKX.net sind für den EV3 Long Range 355 km bei 120 km/h zu erwarten, was auch 41 Prozent weniger als nach dem kombinierten WLTP-Wert sind. (Den Hinweis auf diesen Wert verdanken wir unserem Leser Alexander G. – vielen Dank.)

Die Leistung wird laut Autocar linear und gleichmäßig abgegeben; ein dramatisches Beschleunigungserlebnis gibt es deshalb nicht, obwohl die Beschleunigung als solche gut sei. Die Rekuperation wird über Lenkradwippen eingestellt, was gut funktioniere. Auch One-Pedal-Driving ist möglich. Auch Autobild erwähnt vier Reku-Stufen, lässt aber offen, ob die "E-Step"-Einstellung fürs One-Pedal-Driving noch dazukommt. Jedenfalls soll der Leaf auch das Segeln ermöglichen.

Die Autozeitung ergänzt, dass es vier feste Stufen für die Rekuperation gibt; dazu käme ein adaptiver One-Pedal-Modus. Demnach ist die Bremswirkung im stärksten Modus offenbar variabel und hängt vom Verhalten des vorausfahrenden Fahrzeugs ab. Nissan schreibt dazu: "Die Regenerationsstufen sind über Schaltwippen einstellbar oder passen sich über die intelligente Abstandsregelung automatisch an die Verkehrsbedingungen an."

Laut Autobild stehen vier Fahrmodi zur Wahl, die sich deutlich unterscheiden sollen. Das dürfte vor allem die Gaspedal-Kennlinie und die Lenkung betreffen, denn einstellbare Dämpfer hat der Leaf wohl kaum. Am entspanntesten soll man mit Normal oder Eco unterwegs sein, während Sport mehr Spaß bringt und Personal individuell konfigurierbar ist.

Akku und Aufladen

Was die Batterie angeht, so schreibt die Autozeitung, es handele sich um NMC-Akkus. Gelobt wird, dass die Batteriezellen dafür aus europäischer Fertigung stammen; sie werden von der Nissan-Tochter Envision AESC direkt neben dem Produktionswerk für den Leaf im britischen Sunderland produziert.

Die maximale DC-Ladeleistung beträgt 150 kW beim großen und 105 kW beim kleinen Akku. Die Ladedauer gibt Nissan in dem PDF-Datenblatt, das man auf der Nissan-Seite herunterladen kann, mit 30 min an, allerdings für den Ladehub von 20 bis 80 Prozent.

Autobild findet die maximale Ladeleistung durchschnittlich, Elektroauto-News jedoch bezweifelt, dass sie für längere Strecken ausreicht; Nissan fahre der Konkurrenz hier hinterher. In der Tat lädt der Skoda Elroq je nach Version mit bis zu 185 kW, der Kia EV3 aber nur mit maximal 128 kW. Relevanter ist unserer Ansicht nach die Ladegeschwindigkeit in kWh/min. Diese liegt beim Leaf Long Range mit 1,5 kWh/min recht ordentlich, auch wenn der EV3 LR 1,8 kWh/min schafft und der Elroq 85 sogar 1,9 kWh/min noch darüber liegen. 

Nissan Leaf (2026): Interieur-Detail

Die Batterie wird laut Nissan automatisch vorkonditioniert. Dieses Bild legt nahe, dass man die Batterieheizung (Battery Heater) möglicherweise auch manuell aktivieren kann

Bild von: Nissan

Fahrwerk und Lenkung

Laut Nissan wurde der Leaf auf Fahrkomfort hin optimiert, um zu seiner Positionierung als Alltagsauto zu passen. Autocar fiel auf, dass es im Auto wirklich leise bleibt. Was die Fahrdynamik angeht (also das Verhalten in der Kurve) biete der neue Leaf keine wirklichen Schwächen, aber auch nicht viel Fahrspaß. Die Lenkung sei jedoch gut ausbalanciert und das Auto lasse sich sehr entspannt fahren.

Die Autozeitung stimmt bei: Das Auto kaufe man nicht wegen der Fahrdynamik, die Lenkung sei angenehm. Im Sportmodus wirke sie schwergängiger, biete aber auch hier kein Plus an Fahrspaß. Die 1,9 Tonnen der gefahrenen Long-Range-Variante spüre man bei schnellen Richtungswechseln, aber die Karosserie neige kaum zum Wanken. Der Federungskomfort sei ordentlich, harte Kanten spüre man jedoch recht deutlich. Insgesamt vermittele der Leaf kein sportliches Fahrgefühl, dafür aber Ruhe und Souveränität.

Auch Autobild fiel die Ruhe im Innenraum sowie das komfortable Fahrwerk auf, wobei das Auto bei Querfugen etwas hölzern wirke. In schnellen Kurven spüre man eine Neigung zum Untersteuern, bleibe aber gut beherrschbar. So könne man den Leaf flott und entspannt fahren. Elektroauto-News schreibt Ähnliches: Der Leaf bewege sich angenehm entspannt. Die Karosserie sei steif und die Lenkung direkt. Anders als Vicky Parrott (Autozeitung) spürte Stefan Grundhoff in flott gefahrenen Kurven ein Wanken.

Interieur und Bedienung

Innen bietet der Nissan Leaf zwei 14,3-Zoll-Bildschirme direkt nebeneinander. Damit sind die Displays größer als beim Ariya, wo zwei 12,3-Zöller eingebaut werden. Die US-Version hat allerdings nur in den gehobenen Varianten so große Monitore, während die Basisvarianten mit zweimal 12,3 Zoll auskommen müssen. Ob das in Deutschland genauso ist, müssen wir abarten. Das Infotainment basiert jedenfalls auf Google-Technik, so dass Google Maps als Routenplaner genutzt werden kann.

Nissan Leaf (2026): Das Interieur

Nissan Leaf: Zwei 14,3-Zöller nebeneinander

Bilder von: Nissan
Nissan Ariya Nismo (2025) im Test

Nissan Ariya: Zwei 12,3-Zöller (Bild: Nismo-Version)

Bilder von: Nissan

Bei Autocar reichte die Zeit nicht, um die Bedienungsfreundlichkeit zu prüfen. Die Autozeitung lobt die hohe Auflösung und kurze Reaktionszeit der Displays sowie die individuell konfigurierbare Startseite. Auch kabelloses Apple CarPlay und Android Auto stehen danach zur Ausstattung, ein Head-up-Display soll es optional geben. Die Google-Dienste sorgt für eine vertraute Bedienung. Die Recyclingmaterialien sorgten in Kombination mit Farbakzenten eine hochwertige Anmutung. Das optionale Panorama-Glasdach mit variabler Tönung projiziere sogar den spiegelverkehrt eingeprägten Leaf-Schriftzug als Schattenwurf in korrekter Leserichtung ins Fahrzeuginnere.

Nissan Leaf (2025) Europa-Version

Das per Tastendruck dimmbare Glasdach mit dem Leaf-Schriftzug, von außen gesehen

Bild von: Nissan

Autobild lobt das dimmbare Panorama-Glasdach, das für angenehmes Licht im Interieur sorge. Klavierlackflächen würden das Ambiente aufwerten, doch in den unteren Bereichen des Cockpits gebe es viel Hartplastik.

Nissan Leaf (2026): Interieur-Detail

Ungewöhnlich: Die Fahrmodi P, N, R und D werden per Tasten aktiviert. Daneben gibt es einen Schalter für die Fahrmodi und für "E-Step". Das Plastik wirkt auf dem Bild in der Tat wenig wertig

Bild von: Nissan

Elektroauto-News findet das Platzangebot überzeugend. Obwohl 14 Zentimeter kürzer als der Vorgänger biete der neue Leaf innen deutlich mehr Platz. Die Sitze seien großzügig dimensioniert und es gebe praktische Ablagen. Wenig ansehnlich und von der Haptik her nicht wertig sei jedoch das Kunststoffelement, das die Taster für die Modi P, R, N und D beheimatet.

Die scharfen 14-Zoll-Doppeldisplays und die ins Armaturenbrett sowie die Tür-Innenseiten eingearbeiteten Textilelemente gefielen jedoch. Auch weiter unten im Cockpit gebe es "schmerzhaftes" Hartplastik. Gelobt wird jedoch das per Tastendruck umschaltbare Glasdach, das man sonst nur in Modellen wie dem Taycan finde.

Nissan Leaf (2025) Europa-Version

Vertraut: Google-Maps-Navigation und der Sprachassistent Google Assistant

Bild von: Nissan

Preise und Rivalen 

In den USA gibt es den Nissan Leaf schon ab 29.990 Dollar (US-Pressemitteilung), und das ist sogar der Preis für die S+"-Version mit 160 kW und großer Batterie. Euro-Preise für den Nissan Leaf wurden noch keine kommuniziert, geschweige denn Preise für Deutschland. 26.000 Euro – so viel sind 30.000 Dollar derzeit wert – wären jedoch ein enorm günstiger Preis für die 600-km-Version.

Die Autozeitung erwartet einen Basispreis um die 40.000 Euro, die Long-Range-Variante soll bei etwa 45.000 Euro starten. Elektroauto-News spricht dagegen von Preisen zwischen 35.000 und 38.000 Euro. Autobild äußert sich ncht zum Preis, erwähnt aber, dass der Leaf erst im Frühjahr 2026 zu den Händlern komme.

Als Konkurrenten nennt Autocar den Skoda Elroq  und  den Kia EV3. Die Autozeitung rechnet auch Modelle wie den VW ID.3 oder den Citroen e-C4 hinzu. Einen Vergleich mit den Rivalen bietet keiner der referierten Testberichte; wir empfehlen dazu unseren eigenen Konkurrenzvergleich.

Unter dem Strich

Die ersten Tests stufen den Nissan Leaf als Alltagsauto ein, das vor allem durch große Reichweite und Effizienz sowie guten Fahrkomfort glänzt als durch Fahrspaß. Im Cockpit wird das umschaltbare Glasdach und die bedienungsfreundliche Google-Betriebssystem gelobt, Hartplastik an einigen Stellen jedoch getadelt.

Offen lassen die Testberichte aus unserer Sicht vor allem den Sitzkomfort im Fond und wie der Kofferraum zu beurteilen ist. Auch zur Ladeplanung gibt es noch keine Angaben, genauso wenig wie zur adaptiven Rekuperation. Unklar bleibt auch noch die Preisfrage und die Ausstattung – insbesondere, ob die zwei großen 14,5-Zoll-Displays wirklich in allen Versionen Serie sind. Wir werden versuchen, diese Fragen bei unserem eigenen Test zu klären.