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Lucid Air: Privat erworbenes Fahrzeug mit zahlreichen Bugs

Jason von Engineering Explained hat Probleme mit seinem selbst gekauften 80.000-Dollar-Auto, und nicht alle kann der Service lösen.

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22:11

Normalerweise sind wir etwas zurückhaltend mit Berichten über die Fehler einzelner Fahrzeuge; schließlich können wir die Fehler nicht selbst begutachten. Aber Kollege Jason Fenske von Engineering Explained hat die zahlreichen Bugs seines privat gekauften Lucid Air so gut dokumentiert, dass wir einen Bericht gerechtfertigt finden.

Jason kaufte im Juni 2025 einen neuen Lucid Air Touring, der in den USA ab 79.900 Dollar angeboten wird. Wie viele Elektroauto-Freaks war Jason von Anfang an von dem Auto begeistert und hatte hohe Erwartungen. Allerdings stellte sich bald Ernüchterung ein, und zwar wegen einer ganzen Menge von nervigen Detailproblemen, die er im obigen Video zeigt. Sie reichen von Lautsprechern, die keine Musik wiedergeben, über nervige Probleme mit der Verriegelung bis hin zu nicht funktionierenden Kühlmittelpumpen für den Antrieb.

Lucid Air Touring (2023)

Der Lucid Air Touring hat einen beeindruckenden Frunk. Aber bei Jason bereitete das Öffnen Probleme

Bild von: Lucid Motors

Einige Probleme konnten inzwischen vom Service gelöst werden. Die defekten Pumpen wurden ausgetauscht, genauso wie die Kippschalter für die Ventilator-Betätigung. Außerdem hatten sich die Schließbügel des Frunks offenbar leicht verzogen, sodass sich die Fronthaube stets erst bei der zweiten Betätigung der App-Fernbedienung öffnete. Die Werkstatt konnte das durch eine andere Einstellung beheben.

Auch dass das Auto keine Over-the-Air-Updates machen konnte, wurde behoben. Das Gleiche gilt für die fehlende Unterstützung von Plug & Charge. Ein anderes Problem stellte sich als Bedienfehler heraus: Jasons Hund fühlte sich auf der Rückbank unwohl, weil die Sitzheizung unbeabsichtigt aktiviert war. Der Grund dafür war eine Automatikeinstellung, die bewirkt, dass die Heizung bei belegten Sitzen automatisch angeschaltet wird. Jason deaktivierte die Option, und damit war das Problem behoben.

Keine Lösung für Jasons Auto, aber zumindest eine Verbesserung bei künftigen Fahrzeugen gibt es beim Ladeport, der sich beim Air elektrisch öffnet. Bei Jasons Exemplar geschieht das nur bei sehr starkem Druck mit der Hand. Zumindest beim neueren Gravity setzt Lucid wegen des Problems auf eine mechanisch-manuelle Öffnung.

Lucid Air Touring (2023)

Der Lucid Air Touring ist eine fünf Meter lange Limousine mit bis zu 780 km Reichweite nach WLTP

Bild von: Lucid Motors

Außerdem konnte man bei Jasons Auto Blechdosen nur mit sanfter Gewalt aus den Getränkehaltern befreien. Wie Jason mit einer Federwaage feststellte, war dazu eine Kraft nötig, die vier Kilo entspricht. Lucid bestätigte das Problem und hat verbesserte Cupholder entwickelt, die künftig in den Air eingebaut werden. 

Lucid Air Touring (2023)

Das Cockpit des Lucid Air Touring

Bild von: Lucid Motors

Eines der nervigsten Alltagsprobleme ergibt sich offenbar dadurch, dass Jason das Auto abwechselnd mit seiner Frau fährt. Dabei lädt der Air oft das falsche Fahrerprofil. Und das kann während der Fahrt nicht mehr manuell korrigiert werden – dazu muss man anhalten. Standardmäßig wird die Person am Steuer offenbar an dem Handy erkannt, auf dem der Schlüssel gespeichert ist. Wenn zwei Personen mit zwei Schlüssel-Handys an Bord sind, dann ist es Glückssache, welches Fahrerprofil geladen wird, so Jason.

Das Auto hat auch eine Gesichtserkennung, aber bei Jasons hoher Lenkradposition wird die Kamera dafür verdeckt. Beim neuen Gravity wird die Kamera auf der Lenksäule angebracht, sodass sie sich beim Verstellen der Lenksäule mitbewegt, verspricht Lucid. Auch dass die Türen offenbar automatisch verriegeln, nachdem man eine Fondtüre öffnet und schließt, sodass man vorne nicht einsteigen kann, soll durch ein Update behoben werden. Das Gleiche gilt dafür, dass die Spiegelabsenkung beim Rückwärtsfahren nicht richtig funktioniert.

Jason hat auch die Reaktion von Lucid berücksichtigt und dazu ein separates Video gemacht: Der US-Hersteller schrieb ihm, man sei nicht glücklich mit dem Zustand und würde hart an einer Verbesserung arbeiten.

Am Schluss beantwortet Jason die Frage, ob er den Kauf des Lucid Air bereut. Er verneint das. Viele seiner Detailprobleme seien inzwischen behoben. Außerdem sei die Limousine nach wie vor ein hervorragendes Langstreckenauto mit viel Reichweite, niedrigem Verbrauch und exzellentem Geräuschniveau. Zu guter Letzt berichtet der Kollege noch, dass im Herbst 2026 eine neue Benutzeroberfläche namens UX3.0 beim Air eingeführt werden soll, und zwar bei neuen Fahrzeugen, aber auch bei schon ausgelieferten Autos, sofern sie nach April 2024 gekauft wurden oder für Kunden, die das Infotainment der zweiten Generation nachgerüstet haben.

Unter dem Strich

Der Lucid Air Touring von Kollege Jason Fenske wies von Anfang an ziemlich viele Mängel auf, die man bei einem fast 80.000 Dollar teuren Oberklasseauto nicht erwartet, zumal das Auto zum Zeitpunkt des Kaufs schon einige Jahre auf dem US-Markt war. Die beiden Videos zeigen deutlich auf, wie nervig es bei Autos mit viel Elektronik sein kann, wenn beim Programmieren der Software nicht jeder Fall bedacht wurde. Jeder Fehler für sich allein wäre ja vielleicht akzeptabel gewesen, aber in Summe ...