Audi wird mit seinem Partner SAIC eine neue Elektroauto-Plattform für China entwickeln. Dieser Plan erweitert offenbar die im vergangenen Juli gegründete Partnerschaft. Damals hieß es, Audi wolle in China eine Plattform von SAIC-Tochter IM Motors nutzen.

Nun meldet Audi, man werde gemeinsam Modelle auf Basis einer Plattform namens Advanced Digitized Platform entwickeln. Damit könnte Audi die Zeit bis zur Markteinführung um über 30 Prozent verkürzen, zitiert Reuters die Ingolstädter VW-Tochter.

Geplant sind drei Elektromodelle auf Basis dieser Plattform im B- und C-Segment. Dabei verwendet Audi aber wohl die VW-eigene Nomenklatur, nach der "B" die Mittelklasse und "C" die Obere Mittelklasse bezeichnet (nicht Klein- bzw. Kompaktwagen wie üblich). Das erste dieser Modelle soll schon 2025 auf den Markt kommen.

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Audi-Chef Gernot Döllner sagte: "Wir haben ein klares und gemeinsames Ziel: das Beste unserer beiden Unternehmen zum vollen Vorteil unserer chinesischen Kunden mit dem Premium-Erlebnis von Audi und der Innovationsgeschwindigkeit von SAIC in China zu kombinieren." So könne man der chinesischen Kundschaft "intuitive und intelligente digitale Premium-Erlebnisse sowie automatisierte Fahrfunktionen bieten." 

Bisher nutzt Audi den Modularen Elektrobaukasten (MEB) für zwei chinesische Elektromodelle: Q4 e-tron und Q5 e-tron, die von den Joint Ventures mit SAIC und FAW gebaut werden. Dabei ist der Q5 e-tron eine Badge-Engineering-Version des VW ID.6, wobei der ID.6 wiederum eine siebensitzige Langversion des VW ID.4. Vom Q4 und Q5 e-tron verkaufte Audi in den ersten vier Monaten des Jahres 6.420 Stück in China.

Audi Q6 e-tron (2024)

Audi Q6 e-tron  4,77 m lang

Audi Q6L e-tron (2024)

Audi Q6L e-tron: 4,88 m lang

Außerdem plant Audi eine chinesische Langversion des Q6 e-tron, die wie der europäische Q6 e-tron auf der Premium Platform Electric (PPE) basiert. Allerdings erhält der Audi Q6L eine größere Batterie – sie speichert 107 kWh statt 100 kWh wie der Akku des normalen Audi Q6 e-tron. Die Auslieferung in China soll 2025 starten.

Die ausgeweitete Kooperation mit SAIC ist wohl auch eine Reaktion auf den scharfen Wettbewerb auf dem chinesischen Markt. China ist der weltgrößte Elektroauto-Markt. Aber nicht nur Audi kooperiert mit einem chinesischen Hersteller. Auch die Marke Volkswagen gab im letzten Sommer eine Kooperation mit Xpeng bekannt. Geplant sind zwei Mittelklasse-SUVs auf Basis einer Plattform von Xpeng, die 2026 starten sollen.

Ein anderes Kooperationsmodell verfolgt Stellantis: Der europäisch-amerikanische Konzern gab kürzlich, dass er im September zwei Fahrzeuge von Leapmotor auf den europäischen Markt bringen will. BMW hat zusammen mit Great Wall die so genannte Spotlight-Plattform entwickelt, auf der der neue Cooper und der Aceman basieren.  

Unter dem Strich

Während die USA offenbar versuchen, chinesische Autohersteller möglichst auszusperren, gibt es in Europa etliche Konzerne, die auf Kooperationen setzen. Und während man bei früheren Joint Ventures etwa von VW mit FAW oder SAIC vor allem die Produktionskapazitäten der chinesischen Hersteller nutzte, sind es inzwischen die Plattformen.